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19. Mär. 2026
Autor(in): Master School Drehbuch

Franziska Müller arbeitet seit mehr als zwanzig Jahren als selbständige Dramaturgin, Drehbuchautorin, Creative Producer und Dozentin. Sie schrieb z.B. an Sven Taddickens Kinofilm DAS SCHÖNSTE PAAR (2018) mit. Sie beriet Serien wie MEIN TRAUM, MEINE GESCHICHTE (2024, Staffel 2 in Produktion) oder den Kinofilm STRANDGUT / THE REEF (in Finanzierung). Daneben unterrichtet sie und begleitet Talente in der Stoffentwicklung z.B. für Development Labs von Netflix Grow Creative, Tatino Films oder im Rahmen des MA Serial Storytelling an der ifs Köln. Seit 2024 ist sie Stammdozentin an der Master School Drehbuch. 

Erzähl uns, wie Du zum Drehbuch gekommen und warum Du dabeigeblieben bist.

Dass ich etwas mit Film machen möchte, war früh klar – schon in der Schule gab es z.B. Film-Projekte. Nach erstem Liebäugeln mit Regie hat es mir dann doch das Drehbuchschreiben angetan. Und nach einem Praktikum 2004 im damaligen script and development lab der Nordmedia, bei dem ich zum ersten Mal mit Filmdramaturgie in Berührung kam, war klar: Das ist es! Ab diesem Moment habe ich mich in meinem Studium der Szenischen Künste in Hildesheim auf dramaturgische Themen konzentriert, meine Diplomarbeit über Phil Parkers dramaturgische Differenzierung von Genre und Style geschrieben und nach dem Studium über Lektorat und dramaturgische Beratung meine Expertise und Erfahrung ausgebaut. So kam ich hin.

Tatsächlich erkenne ich aber erst heute, rückblickend auf mein erstes Studium der Kommunikationswissenschaften in Frankreich: Ich finde es spannend, auf vielfältige Weise und auf unterschiedlichen Ebenen mit Kommunikation zu arbeiten. Mit Autor:innen und anderen in die Entwicklung von Drehbüchern involvierten Menschen bin ich in kontinuierlicher Kommunikation über ihre Geschichten, also über das Leben, das sie auf eine bestimmte Weise erzählen und reflektieren möchten. In ihren Geschichten kommunizieren Figuren miteinander und scheitern bestenfalls zuerst. Warum Figuren wie kommunizieren – oder auch nicht – und mit welchen Konsequenzen sie das tun: Das hört nicht auf, mich zu faszinieren. Besonders wenn dabei Anstoß zu Reflektion oder Sinn entstehen. Mich interessieren Menschen – so einfach ist es, glaube ich. Deshalb bin ich geblieben.

Du berätst - nicht nur, aber oft - Filme für Kinder und Jugendliche. Worauf kommt es bei diesen besonderen Zielgruppen an?

Zuerst einmal kommt es darauf an, dass man sie genauso ernst nimmt wie eine erwachsene Zielgruppe. Kinder und Jugendliche sind wach, intelligent, anspruchsvoll, direkt – sie merken sofort, wenn sie von oben herab belehrt werden sollen, nicht auf Augenhöhe angesprochen werden. Ihre Reaktion ist prompt und ehrlich. Gute Geschichten für sie zu entwickeln und zu erzählen ist genauso aufwendig, wie für alle anderen Zielgruppen auch – das sollte übrigens auch entsprechend honoriert werden, was leider nicht selbstverständlich ist.

Ich persönlich empfinde die Arbeit für junge Zielgruppen als so bereichernd, weil diese Geschichten sehr ermutigend und empowernd sein können. Kinder und Jugendliche – neben großer Unterhaltung und Spaß – auch in ihrem Selbstverständnis in der Welt und ihrem Selbstwert zu stärken, sie auch mit Themen in Berührung zu bringen, die ihnen sonst vielleicht nicht selbstverständlich begegnen und ihnen zu zeigen, dass sie mit ihren Fragen nicht allein sind: Das ist eine gute und positiv in die Zukunft gerichtete Sache.

Was ist für Dich das Schönste und was das Schwierigste am Beruf der Dramaturgin?

Ich liebe meinen Beruf. Die Beschäftigung mit dem Leben, dem komplexen, ambivalenten, menschlichen Miteinander, das auf allen Ebenen meiner Arbeit ineinandergreift, erfüllt mich dabei immer wieder aufs Neue – und bringt mich zuweilen an meine Grenzen. Schön ist es, inzwischen aus viel Erfahrung schöpfen zu können – und trotzdem ist immer wieder alles neu. Keine Geschichte, keine Autor:innen-Persönlichkeit ist wie die andere. Das ist großes Glück und Herausforderung zugleich.

Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann wäre es das: Ein gutes Drehbuch ist die essenzielle Grundlage für alles weitere in der Filmproduktion. Den Fokus auf die Stoffentwicklung zu richten und die nötigen Ressourcen hierfür wie Zeit, gute dramaturgische Begleitung und genügend Geld zur Verfügung zu stellen, ist eine im Vergleich zur restlichen Produktion moderate Investition, zahlt sich im Endergebnis aber vielfach aus. Dafür ein Selbstverständnis und Rahmenbedingungen zu schaffen ist wichtig.

Du schreibst auch selbst. Worin siehst Du den größten Unterschied zwischen Schreiben und Beraten?

Ich mag das Bild des Waldes ganz gerne. Wenn man selbst schreibt, dann läuft man los in den Wald hinein mit einem Ziel vor Augen, wo man hin-, bzw. rauskommen möchte. Man muss sich entscheiden, ob man vielbegangene Wege oder kleine Trampelpfade wählt, oder ob man sich einfach durchs Unterholz schlägt, wenn scheinbar kein Weg mehr erkennbar ist. Kann sein, dass man sich verläuft. Es kann dunkel und unwegsam werden. Zuweilen ist man sehr allein im Wald. Aber man erlebt auch Schönheit und Harmonie, wenn sich plötzlich Wege eröffnen und sich alles stimmig fügt. Drehbuchschreiben ist ein Abenteuer, in das man ganz eintaucht. Und wenn man schließlich seinen Weg gefunden hat und wohlbehalten aus dem Wald heraustritt – ist es sehr erfüllend.

Wenn man dramaturgisch berät, dann bleibt man außen, aber überschaut den Wald und man sieht, wo sich die Autorin z.B. gerade bewegt, wo sie abgebogen ist, welche Wege sie beschreitet, ob sie ihrem Ziel näherkommt oder sich von ihm entfernt. Man ruft ihr zu: Ist das noch dein Ziel? Oder verfolgst du ein neues? Oder: Du stehst an einer Weggabelung, du hast folgende Möglichkeiten. Oder wenn sie feststeckt: Du könntest umkehren, oder du schlägst dich noch ein paar Meter durchs Dickicht, direkt vor dir liegt eine Lichtung. Man behält den Überblick und kann den Autor unterstützen, sich von Zeit zu Zeit zu orientieren und neu auszurichten – auch das ist erfüllend.

Wie erlebst Du die Ausbildung zum/r Autor:in für Film & TV an der MSD? Gibt es etwas, das Dich besonders berührt?

Mich berührt es besonders, die Entwicklung der Teilnehmer:innen zu erleben. Meist lerne ich sie am ersten Ausbildungstag kennen, an dem sie sich vorstellen, gegenseitig zum ersten Mal begegnen, ihre Wünsche und Erwartungen an sich, die Gruppe und die Ausbildung formulieren. Wenn ich sie einige Wochen später wiedersehe, sind sie als Gruppe zusammengewachsen, haben sehr viel dramaturgisches Wissen und Handwerkszeug erworben, mit dem sie jetzt praktisch in die Entwicklung ihrer eigenen Stoffideen starten. Dann, wieder ein paar Wochen später, präsentieren sie ihre ausgearbeiteten Stoffe in einem Pitch dem Fachpublikum, stellen sich kompetent deren Fragen, gehen ins Gespräch und machen damit einen selbstbewussten Schritt in die Branche hinein. Was für eine Entwicklung!

Du begleitest viele junge Menschen und Quereinsteiger:innen. Hast Du einen ultimativen Tipp zum Einstieg in die Branche?

Wie im Leben generell kann es nicht schaden, mit Mut und freundlicher Hartnäckigkeit seine Ziele zu verfolgen, dabei authentisch zu bleiben, auf den Bauch zu hören, mit wahrem Interesse zuzuhören und dem kreativen Austausch und Prozess mit Respekt, Offenheit und Vertrauen zu begegnen.

Was wünschst Du Dir selbst für Deine berufliche Zukunft?

Ich bin sehr dankbar und zufrieden, mit angenehmen, sehr talentierten und professionellen Menschen an inspirierenden Stoffen, in interessanten Kontexten zusammenarbeiten zu dürfen. Für dramaturgische Arbeit wünsche ich mir generell Rahmenbedingungen, die sie im Stoffentwicklungsprozess bindend machen, Sicherheit bieten und Anerkennung ausdrücken, die sich auch im Honorar widerspiegelt. Und für mich persönlich weiterhin Neugierde und Freude an der Arbeit. Stetigkeit und Entfaltung. 

 

ANGELIKA STRASSL

Angelika Strassl studierte in Wien Publizistik und Kommunikationswissenschaft (Master) sowie 2014 Screen & Media an der Sydney Film School. Seitdem arbeitet sie in der Produktion - meist als Production Coordinator. Sie betreut deutsche TV-Filme (TATORT), genauso wie internationale Serien (NINE PERFECT STRANGERS) und Großproduktionen (MATRIX IV). 2025 besuchte sie die Ausbildung zum/r Autor:in für Film & TV an der Master School Drehbuch. 

Erzähl uns, wie Du vom Journalismus zum Film gekommen bist.

Eigentlich war ich schon immer sehr am Film interessiert, allerdings komme ich aus einem sehr kleinen Dorf und kannte niemanden in der Branche, daher war es in meiner damaligen Welt gar nicht denkbar beim Film zu arbeiten. Durch viele Umwege habe ich dann schließlich in Wien studiert und mich anfangs auch auf Journalismus eingeschwungen. Während meines Studiums habe ich allerdings früh festgestellt, dass es mehr das Schreiben und das Erzählen von Geschichten ist, das mich interessiert, und weniger der Journalismus. Nach meinem Master habe ich erfolglos versucht, einen Job in der Filmbranche zu ergattern. Ich habe im Marketing einer NGO gearbeitet in der Hoffnung, dort Geschichten erzählen zu dürfen. Auch wenn ich dort sehr wertvolle Erfahrungen gemacht habe, richtig war es nie.

Nach zwei Jahren habe ich dann alles auf eine Karte gesetzt und bin für eine einjährige Filmschulausbildung an die Sydney Film School gegangen. Warum Australien? Weil es zu dieser Zeit in Österreich keine einjährige Ausbildung gegeben hat und ich mir finanziell keinen längeren Zeitraum hätte leisten können. Die Ausbildung in Australien habe ich wirklich sehr genossen. Endlich war ich angekommen – wie ein Fisch im Wasser. Das Jahr ist wie im Flug vergangen. Und ich hatte recht: Dieses eine Jahr hat mir endlich die Türen zur Filmbranche geöffnet. Nach ersten Einsteigerjobs in Wien schaffte ich 2018 dann auch den Sprung auf die internationale Bühne – nach Babelsberg, wo ich mich in meinem ersten Projekt als Production Secretary bei DREI ENGEL FÜR CHARLIE beweisen konnte. Ich dürfte meine Arbeit gut gemacht haben, denn von diesem Zeitpunkt an hatte ich keine Probleme mehr, Jobs zu finden.

Du kennst die Filmbranche in Australien und in der DACH-Region. Wie unterscheiden sich die beiden Systeme?

Gute Frage, eigentlich nicht so sehr meiner Meinung nach. Das australische System ist dem amerikanischen AD-System (mehrere Assistant Directors als Teil der Produktion, Anm. MSD) sehr ähnlich, allerdings ist dies eine rein organisatorische Unterscheidung. Ich muss aber sagen, dass ich in Australien die Filmwelt eher in der Ausbildung kennengelernt habe. Ich habe zwar dort gearbeitet, aber eher im Corporate Video Bereich (Unternehmensfilme, Anm. MSD).

Ich denke aber trotzdem, dass Australien im Herzen eher dem Autorenfilm nähersteht sowie Österreich / Deutschland auch. Was natürlich die stoffliche Arbeit sehr spannend macht, aber gleichzeitig oftmals ein Finanzierungsproblem mit sich bringt. Und auch in Australien habe ich früh gelernt, dass der richtige Pitch des Projektes maßgeblich ist. 

Seit vielen Jahren bist Du erfolgreich als Production Coordinator tätig. Was fasziniert Dich am Drehbuchschreiben?  

Ganz klar: die Geschichte. Ich denke, allzu oft verlieren wir uns in Technik, Kamera, schauspielerischen Leistungen, Kostüm etc., wenn doch der eigentliche Grund, warum so viele Leute zusammenkommen, um einen Film zu kreieren, den später hoffentlich viele genießen können, die Geschichte ist. Auch wenn alles schon mal erzählt wurde, so ist es doch die Geschichte, die in erster Linie faszinieren und fesseln muss.

Dieses Erschaffen einer vollkommen anderen Welt ist für mich der eigentliche Sinn im Film. Was kann es Schöneres geben, als fürs Tagträumen auch noch bezahlt zu werden? Geschichten zu erzählen ist ein Urinstinkt des Menschen und hat meiner Meinung nach Kultur und Gemeinschaft erst möglich gemacht. Ich bin zwar im weitesten Sinne am Erschaffen beteiligt – als Production Coordinator –, aber doch eigentlich auch nicht. Und ehrlich gesagt ist das eine Lücke, die ich in meiner täglichen Arbeit schon sehr spüre.

Wie hast Du die Ausbildung an der MSD erlebt? Welches Erlebnis hat Dich besonders geprägt?

Ich fand die Ausbildung ausgesprochen lehrreich und gut durchdacht. Mein Hauptproblem waren nie die Ideen, sondern immer das Chaos im Kopf und die vielen Tools. Die Zusammenarbeit mit den anderen, auch den Teilnehmenden aus der Weiterbildung Dramaturgie, hat mir sehr geholfen zu lernen wie man Struktur in eine Geschichte bringt und die Idee weiterentwickelt. Am schönsten fand ich einfach den extrem guten und freundschaftlichen Zusammenhalt in unserem Kurs. – Ich glaube, das war schon außergewöhnlich. Wir treffen uns auch heute noch gelegentlich im selben Café nahe der Schule.

Was ist für Dich das Schönste und was das Schwierigste bei der Stoffentwicklung?

Das Schwierigste ist ganz klar das Alleinsein. Ich bin einfach ein Teamplayer und es fällt mir wahnsinnig schwer für längere Zeit allein im Kämmerlein zu sitzen. Am besten funktioniere ich im Austausch und das ist für mich dann auch das Schönste an der Stoffentwicklung. Wobei ich sagen muss, das Gefühl, wenn man eine geile Idee hat und sich dessen bewusst wird, ist vielleicht noch ein klein wenig schöner.

Woran schreibst Du gerade – und warum?

Ich bin gerade aus einem Acht-Monats-Projekt raus. In einer Projektphase schaffe ich es leider zeitlich kaum, mich meinen Stoffen zu widmen. Davor habe ich an meiner Miniserie über Zwangsprostitution gearbeitet, die ich auch in der MSD gepitcht habe. Jetzt gerade arbeite ich an einer Generationengeschichte. 

Was wünschst Du Dir für Deine berufliche Zukunft?

Ich wünsche mir einen Platz, an dem ich täglich im Team an Geschichten und Ideen arbeiten kann. Ich möchte an Geschichten mit Relevanz arbeiten, die aber auch unterhalten und das Leben schöner, reicher oder leichter machen. Der Überhammer ist natürlich, wenn eines Tages eines meiner Projekte verfilmt werden würde. 

 

 



Quelle: http://www.masterschool.de/unternehmen/interviews/2026-03-19/dozentinnen-und-absolventinnen-stellen-sich-vor
 
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