OLIVER SCHÜTTE
Oliver Schütte arbeitet seit 1987 als Drehbuchautor, Dramaturg und Publizist. Die Master School Drehbuch gründete er 1995 und leitete sie bis 2008. eute arbeitet Oliver Schütte als Dramaturg für Produktionsfirmen und Autoren, als Dozent an internationalen Filmhochschulen und als Publizist und Drehbuchautor. Er ist Autor von DIE KUNST DES DREHBUCHLESENS und SCHAU MIR IN DIE AUGEN, KLEINES. In den letzten Jahren Aktuell beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten von KI beim Erzählen von Geschichten u.a. in seinen neuesten Büchern ZUKUNFT SCHREIBEN und DER LETZTE FILM.
Was unterscheidet das KI.lab von anderen KI-Workshops im Filmbereich?
Die meisten Workshops zeigen lediglich Tools. Wir entwickeln auch Projekte. Im KI.lab arbeiten die Teilnehmer:innen acht Monate lang an ihrem eigenen Stoff – mit KI als kreativem Gegenüber. Am Ende steht kein Zertifikat, sondern ein prävisuelles Paket, das man pitchen, finanzieren oder verkaufen kann. Und wer Lust hat, seinen eigenen Kurzfilm in dieser Zeit zu produzieren., der wird das Lab am Schluss mit einem eigenen, vollständigen Werk verlassen.
Für welche Menschen ist das KI.lab geeignet?
Für Filmschaffende, die eine Geschichte erzählen wollen und bereit sind, ihren Arbeitsprozess neu zu denken. Ob Autor:in, Regisseur:in oder Produzent:in – entscheidend ist nicht technisches Vorwissen, sondern die Neugier, KI als Werkzeug ernsthaft auszuprobieren.
Was ist für dich das wichtigste Lernziel für die Teilnehmer:innen?
Dass sie verstehen, wo KI ihnen wirklich hilft – und wo nicht. Wer lernt, die richtigen Fragen zu stellen und einen professionellen Prompt zu schreiben, bekommt von KI erstaunliche Antworten. Wer das nicht lernt, bekommt nur glattes Mittelmaß. Diesen Unterschied zu erfahren, ist das Ziel.
Welche Kenntnisse und Fähigkeiten braucht es, um mit KI einen großartigen Film zu machen?
Dieselben wie ohne KI: ein Gespür für Figuren, Konflikte und Emotionen. KI kann vieles beschleunigen, aber sie ersetzt kein dramaturgisches Denken. Wer sein Handwerk beherrscht, wird durch KI besser. Wer es nicht beherrscht, wird nur schneller schlecht.
Wovor hast du im Kontext von KI und Film am meisten Respekt?
Vor der Geschwindigkeit, mit der sich die Branche verändert – und davor, dass viele Filmschaffende das noch nicht spüren. Die Disruption kommt nicht irgendwann, sie ist schon da. Wer jetzt nicht lernt, mit KI zu arbeiten, wird bald ohne Arbeit sein. Was wird an KI überschätzt? Die Vorstellung, man gibt einen Prompt ein und bekommt einen fertigen Film. KI ist kein Automat, sondern ein Instrument. Und wie bei jedem Instrument entscheidet nicht die Technik über die Qualität, sondern wer es spielt – und wie lange man übt.
MARK WACHHOLZ
Mark Wachholz ist Autor und Story Consultant mit über 20 Jahren Erfahrung bei der Entwicklung von Filmen, Serien, Romanen und Games. Er gestaltete preisgekrönte Computerspiele wie DRAKENSANG, SATINAVS KETTEN und die Sci-Fi-Serie SPIDES (NBCUniversal/SyFy). Für Unternehmen wie UFA, Wiedemann & Berg und Bavaria Fiction entwickelt er High-Concept-Projekte. So war er Story Consultant u.a. bei THE SWARM (ZDF Studios). Seit 2023 verbindet er klassisches Erzählen mit KI und zählt zu den international erfolgreichsten AI-Filmemachern: Seine Filme THE CINEMA THAT NEVER WAS und CÉREMONY (beide 2025) wurden vielfach ausgezeichnet.
Gab es einen Punkt, an dem Du gemerkt hast: KI wird mein Arbeiten und Denken grundlegend verändern?
Das war im Sommer 2022, als ich zum ersten Mal länger in die Bilder-AI Midjourney eingestiegen bin. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch andere Projekte, an denen ich schreiben wollte. Aber ich merkte, dass ich immer nur zehn Minuten pro Tag daran arbeiten konnte, bevor ich mich wieder Midjourney zuwenden musste.
Es war das Gefühl, dass die alten Wege zu arbeiten für mich plötzlich mehr und mehr keinen Sinn mehr machten. Etwas Neues begann hier zu entstehen, auch wenn bis heute nicht komplett erkundet ist, was das Neue jetzt konkret ist.
Welche Kenntnisse und Fähigkeiten braucht es, um mit KI einen großartigen Film zu machen?
Die rein technischen Hürden sind viel geringer, als man so denkt. Klar, ein bisschen Zeit und Neugier braucht es. Ich glaube aber, viel wichtiger sind Geschmack, eine Vision und die Fähigkeit, sich nicht (mehr) selbst zu zensieren. Die Kuratierung von all den Angeboten, die generative AI in allen Modalitäten macht, ob Bild, Video, Sound, Stimmen, Musik oder Text, ist ein zentraler Faktor. Man kann zwar jetzt alles machen, jedes Genre, jede wilde Idee, jede Ästhetik, jede Tonalität. Aber umso mehr muss man eben auch entscheiden, was man gut und was man eher schlecht findet.
Für wen ist das KI.lab Deiner Meinung nach am besten geeignet?
Jede Profession mit Intention zum Geschichtenerzählen und Weltenbauen kann jetzt ein Projekt anstoßen und Mitstreiter zusammenbringen.
KI als eine neue Technologie braucht in erster Linie neue Denkweisen, wie wir mit dieser Technologie umgehen und was wir aus ihr rausholen wollen. Das braucht Kontakt, Ausprobieren, spielerisches Entdecken und Testen der Limits aus unterschiedlichsten Perspektiven. Je diverser die Expertise ist, mit der wir diese neue Technologie erkunden, desto besser.
Was macht Dir beim Unterrichten am meisten Freude?
Aha-Momente weitergeben. Diese komprimierten Momente, Ideen und Perspektiven, die eingeschriebene Muster plötzlich auf den Kopf stellen und ermöglichen, alles komplett neu zu sehen.
Wovor hast Du im Kontext von KI und Film am meisten Respekt?
Grundsätzlich fühle ich mich extrem frei und selbstwirksam in meinen KI-Projekten und wenig bis gar nicht eingeschüchtert. Die Möglichkeiten sind einfach zu vielfältig, und ich weiß immer, dass ich am Ende bestimme, welcher Shot oder welche Ästhetik jetzt Teil meines Films wird oder nicht.
Als Einzelcreator bin ich nicht gezwungen, meine Herangehensweise an wirklich große Produktionsprozesse anzupassen. Die Frage, wie sich die "Magie" von generativer KI skalieren und belastbar einbinden lässt, muss noch beantwortet werden.
Was wird an KI überschätzt?
Der öffentliche Diskurs rund um KI verkürzt die Möglichkeiten darauf, dass ein Film "auf Knopfdruck" entstehe oder sogar, dass jetzt "die KI" einen Film gemacht habe. Schön wär’s, denke ich manchmal. Tatsächlich ist es viel Arbeit, selbst einen "nur" 10 Minuten langen, narrativen KI-Film zu drehen, der konsistent ist, dessen Story trägt und im besten Fall noch etwas in den Zuschauern auslöst. Wer anderes behauptet, hat offenbar keine Praxiserfahrung. Sonst würden wir von tollen KI-Filmen überschwemmt werden, aber das passiert eben nicht.
Ja, die Technologie wird in absehbarer Zeit auch das hinkriegen. Doch in jedem Fall werden wir, wenn es so weit ist, schon längst zu neuen Ufern aufgebrochen sein und die visuellen Medien, mit denen wir Storys erzählen, erweitern.
